„Kanadische Luchse, richtige Wale und die Zukunft der Menschheit“

Am 22.1.13 führte  Andreas Galka, Universität Kiel und Kiel im Wandel, den ca 40 BesucherInnen des Gruppenabends die „Grenzen des Wachstums“ anhand der gleichnamigen Studie von 1972 auf unterhaltsame Weise vor Augen.

Nach einer Einführung in die Erstellung mathematischer Modelle für dynamische Entwicklungen (ungestörte Populationsentwicklungen von Beute Schneehase und Raubtier Luchs unterliegen zyklischen Schwakungen, die auch zu berechnen sind) stellte er uns die prinzpiellen Grundlagen der berühmten Studie , für die 1976 dem Club of Rome als dem Auftraggeber der Friedensnobelpreis verliehen wurde, vor: 5 Faktoren mit globaler Wirkung beeinflussen sich gegenseitig: Wachstum des Bruttosozialproduktes durch Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, fossile Rohstoffreserven, Umweltzerstörung, landwirtschaftliche Produktion. Diese wurden mit verschiedenen Ausgangswerten und Entwicklungstendenzen in das Computermodell eingespeist, welches dann verschiedene Szenarien für z.B. ungebremsten Bevölkerungswachstum, oder einsetzende Gebuetenkontrolle etc. entwickelte. Manche dieser Szenarien führen zum extremen Kollaps, z.B. bei exponentiell wachsendem Rohstoffverbrauch „bis zum letzten Tropfen“, andere Modelle, bei denen der Rohstoffverbrauch auf einem Niveau stagniert, zeigen weniger dramatische Entwicklungen.

Die Studie wurde innerhalb kürzester Zeit entweder hochgelobt und als ernste Warnung verstanden, oder von einflussreichen „Wissenschafts“- Journalisten selektiv und falsch zitiert, um dann verrissen zu werden. Andreas konnte anhand von Orginalabbildungen aus dem Buch z.B. zeigem, dass dort aufgeführte Prognosen für die Förderbarkeit wichtiger Rohstoffe wie Gold, Kohle oder Erz explizit beispielhaft zu verstehen sind mit sehr unsicheren Ausgangswerten für die (auf jeden Fall) endliche Fördermenge. Sehr klar wird aber dem wohlgesonnenen Leser, dass das Problem selbst bei xfach höheren Fördermengen bei fortbestehend exponentiellen Wachstum nur um wenige Jahre, maximal Jahrzehnte verschoben werden dürfte. Ein Wissenschaftler wurde mit dem Satz zitiert, dass ein Hauptproblem der Menschheit das Unverständnis des exponentiellen Wachstums sei: jede nächste Verdoppelung heißt schließlich, dass innerhalb dieser einen Zeiteinheit sich alles, was in allen bisherigen Zeiteinheiten angewachsen ist, in einem Schritt verdoppelt (man erinnere das berühmte Beispiel eines Blattes, das gefalte wird=1. Schritt und dann noch 49x erneut gefaltet wird- die Dicke würde am Ende vom hier bis zum Mond reichen).

Interessant in diesem Zusammenhang erscheint insbesondere, dass die umfangreiche Literatur der Kritiker auch heute noch ohne Anschauen des Orginals zitiert wird, so z.B. in einem Spiegelartikel der letzten Jahre, der das Buch als eines der nicht eingetretenen Horrorszenarien der letzten Jahrzehnte beschreibt.

Zusammenfassend stellte Andreas klar, dass kein Faktor unabhängig von den anderen zu betrachten ist und das unendliches Wachstum in welchem Bereichauch immer zum Kollaps führen muss. In seinem Ausblick zeigte er, dass z.B. China in seinem nächsten 5-Jahresplan mit 3% des BSP auf den Ausbau „grüner Energien“ setzt, eine Zahl die den Ursprungsautoren des Berichtes in neueren Veröffentlichungen als ausreichend erscheint. In demokratischen Sttrukturen, wo die Industrie mit massivem finanziellen Einsatz Publizität erlangen kann, um ihr eigenes Weltbild zu vemitteln, können wir nicht auf eine Änderung von oben hoffen; diese muss als Wandel von unten geschehen. Regionalisierung, Postwachstumsökonomie, einfaches Leben, Gemeinschaft, Recycling, Werterhaltung, Permakultur sind nur ein paar der Schlagwörter, die Lösungsansätze aufzeigen.

Weiterführende Infos:

Die Wikipedia-Seite, die ich mir nach dem Vortrag angeschaut habe, gibt m.E. die erwähnte Problematik gut wieder.

  • Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02633-5; Rowohlt, Reinbek 1973, ISBN 3-499-16825-1
  • Grenzen des Wachstums, das 30-Jahre-Update. Signal zum Kurswechsel. Hirzel, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-7776-1384-0
  • Jørgen Randers: 2052: A Global Forecast for the Next Forty Years. Chelsea Green, 2012, ISBN 978-1603584210
  • Das Immunsystem der Erde: Wie eine weltweite immunologische Bewegung den Planeten retten kann. von Paul Hawken erschienen in Oya 09/2011
  • Hawken, Paul: Wir sind der Wandel – Warum die Rettung der Erde bereits voll im Gang ist – und kaum einer es bemerkt – Hans Nietsch Verlag 2010. 410 S.
  • Niko Paech: Vom grünen Wachstum zur Postwachstumsökonomie. Warum weiteres wirtschaftliches Wachstum keine zukunftsfähige Option ist In: Woynowski, Boris et al. 2012 (Hg.): Wirtschaft ohne Wachstum?! Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. ISSN 1431-8261 Kostenloser Download 20 MB
  • Niko Paech: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. oekom verlag, München 2012. ISBN 978-3-86581-181-3

Bitte ergänzt diese Literaturliste mit Euren Kommentaren, gerne mit Kurzrezension! Vielen Dank, Ulrike H.

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