KonsUmkehr

Am 25.10. war die BUND-Jugend mit einer virtuellen , konsumkritischen Tour durch die Innenstadt zu Gast beim Gruppenabend. Anhand von Kaffee, Jeans, Turnschuhen und Bank wurden verschiedene Aspekte der Globalisierung veranschaulicht.

  • Kaffee ist das in Deutschland meistgetrunkenste Getränk mit 160l/Kopf im Durchschnitt (liegt vor Bier). Geerntet werden kann Kaffee aufgrund des unterschiedlichen Reifungsgrades der Kaffeekirschen nicht maschinell sondern nur per Hand u.a. in Kinderarbeit. Kaffee wird typischerweise in Monokulturen unter hohem Pestizideinsatz angebaut. Dabei kommen hierzulande verbotene und doch hier produzierte Gifte zur Anwendung. Die PlantagenarbeiterInnen sind jedoch häufig Analphabeten und/oder können auf Kanister aufgedruckte Warnhinweise nicht verstehen. 28.000Menschen sterben jedes Jahr nach angaben der WHO durch Pestizide, 1.5 Millionen werden vergiftet. Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste Handelsprodukt an internationalen Börsen und damit erheblichen Spekulationsdruck bei der Preisgestaltung ausgesetzt. Fazit: konventionell angebauter Kaffee ist unökologisch und menschenfeindlich. Abhilfe schaft hier fair gehandelter Kaffee (z.B. TransFair Siegel) am besten mit Prüfsiegel von ökologischem Anbau. Dieser Kaffee ist zur Zeit wegen der Weltmarktentwicklung des konventionellen Kaffees nicht viel teurer. (Anmerkung: Kaffee ist deutlich energie- und wasserintensiver in der Herstellung als Tee; was spricht dagegen, ihn als Luxusprodukt für besondere Tage anzustreben…)
  • Jeans:  die typische Jeans einer Großhandelskette aus Schweden legt auf ihrem Weg zum Verbraucher locker 40.000km zurück, z.B. so: Die Baumwolle (in Monokultur und pestizidintensiv) stammt aus Indien oder Kasachstan, zu Stoff wird sie in China gewebt, in Taiwan dann gefärbt. Das Schnittmuster kommt aus Schweden, das Wäscheetikett aus Frankreich, in Polen werden Nieten und Knöpfe hergestellt . Zusammengenäht wird sie in sogenannten Sweatshops (fensterlos, laut, eng in 16h Schichten bei 7 Tage Wochen) auf den Philippinen. Eine gewerkschaftliche Organisation vor Ort wird nicht geduldet. Danach geht die Jeans nach Griechenland, wo sie mittels Bimbsstein „used-look“ bekommt bevor sie dann in der Holstenstraße landet. Fazit: die typische Jeans ist unökologisch und menschenverachtend hergestellt. Alternativen sind hier deutlich komplizierter: Es gibt einzelne Bio-Baumwolle-Linien in großen Handelsketten; es ist aber davon auszugehen, dass die anderen Arbeitsschritte genau die gleichen sind wie bei rein konventionellen Jeans. Abhilfe gibt es v.a. über Internetbestellung bei Versandhäusern mit Einzeldarstellung der Arbeitsschritte und durch ständige Nachfrage nach solchen Produkten bei händlergeführten Läden. In 3. Weltladen kann auch Kleidung erworben werden. Wichtig ist aber v.a. seine Jeans lange zu tragen, pfleglich zu behandeln und zu reparieren. Höhere Anschaffungskosten zahlen sich hierbei häufig sogar finanziell aus. Eine weitere Alternative sind Second- Hand-Läden sowie Tauschbörsen.
  • Laufschuhe unterliegen folgender Preispolitik: 50% geht an Einzelhandel, 32.5% an die Marke (Gewinn, Werbung, Entwicklung), 5% Transport und Steuern, 8% Material, 4% Fabrikgewinn/Produktionskosten, 0.4% an die Näherin. D.h. bei einem Ladenpreis von 100€ erhält die Näherin 40cent. Natürlich wären die meisten Menschen bereit ihr 1€ mehr zu geben, doch so etwas scheitert an der Auftragsvergabepolitik der Markenfirmen.  Fazit: lange tragen, europäisch produzierte Schuhe verlangen…
  • Banken verdienen einen erheblichen Teil ihres Gewinnes durch Kreditvergabe im Rüstungs- oder Atombereich. Siehe auch hier. Verflechtungen unter den Banken sind vielfältig. Hier hilft fast nur die Anlage bei einer transparenten Bank, die alle ihre Kreditvergaben und Anlagen öffentlich macht.

Sämtliche umweltverträglichen und Menschenrechte achtenden alternativen sind teurer als die herkömmliche Ware. Dabei gilt zu beachten, dass wir in vielen Bereichen Nutznießer der Globalisierung sind. So sind die Preise für Textilien von 1991 bis 2008 im schnitt um 20% gesunken, während z.B. das Besohlen von Schuhe um 15% teurer geworden ist. Dabei tragen gestiegene Energiekosten (v.a. Erdöl) schon zu einer Verteuerung in diesem Segment bei, ohne dieses Fakt wären die Preise noch deutlicher gesunken! Der durchschnittliche Deutsche kauft im Jahr 40 Kleidungsstücke! Viele davon landen im Altkleidersack. Diese gelangen z.B. nach Afrika, werden dort wohltätigerweise kostenlos abgegeben und zerstören so  die Märkte für lokal produzierte Kleidung.

Fazit: Der Konsumdschungel ist häufig schwer durchschaubar. Als Grundregeln können gelten: langlebige, reparaturfähige Produkte kaufen, wenn vorhanden TransFair und Bio-Siegel beachten. In Geschäften nach diesen Produkten fragen – so entstanden Fairkaffee-Linien von großen Herstellern.

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