Möbel Kraft statt Kleingärten?!

Hier unsere Überlegungen vom letzten Gruppenabend zur geplanten Ansiedlung von Möbel Kraft am Westring:  Wir konzentrieren uns dabei auf die derzeitige und zukünftige Lebensqualität in Kiel. Kommentare inhaltlicher Natur sind immer willkommen und werden zeitnah veröffentlicht, wenn Sie viele Kieler betreffen. Diese Überlegungen sind im Fluss, werden ohne Ankündigungen ergänzt und stilistisch verändert. Sie sollen in einer gemeinsamen Erklärung Kieler Umweltbewegter münden.

Die Bedeutung des Grüngürtels in diesem Abschnitt als Erholungsort und Klimatop für die angrenzenden Stadtteile

  • Wir beziehen uns in diesem Abschnitt auf  das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Kiel (INSEKK 2010), das  im Frühjahr von der Ratsversammlung beschlossen wurde.

  •  Dieses Konzept gibt das Gebiet Südfriedhof als Wohnbereich mit nicht ausreichend erholungsrelevanten Grünflächen an (S.47) – für diese Menschen liegen die bestehenden Kleingartenflächen immerhin in akzeptabler Fußgehentfernung
  • Das betroffen Gebiet ist zwar Randgebiet aber doch Teil des Grünen Rings , der sich rund um den innerstädtischen Siedlungsbereich zieht. (S.8). Dieser Grüne Ring ist im südwestlichen Bereich aufgrund von Ikea, MVK, CittiPark schon innerhalb der letzten Jahre erheblich verschmälert worden. Citti und Ikea bilden dabei einen Sonderwirtschaftsstandort im Außenbereich. Es droht hier eine Ausweitung zu einem Gewerbegebiet unmittelbar anschließend an den Wohnbereich.bzw gemischten Siedlungsbereich. Das freiräumliche Leitbild Kiels (S.46) mit großräumigen Grünzügen würde schon ein halbes Jahr nach Festschreibung im INSEKK erheblich gestört!
  • Das Gebiet ist wichtig für den Schutz des Lokalklimas, da es Ausgleich für die angrenzenden Gebiete mit hohen bioklimatischen Belastungen schafft. (S.44)
  • Das Gebiet ist wichtiger Teil des Biotopverbundes mit Verbindung zum Schützenpark einerseits zu den Flächen in Hasseldieksdamm andererseits.  Eine Vernichtung würde den Schützenpark und das Gelände der Schützengilde weitestgehend isoliert lassen.

Kiel ist eine Stadt mit einem hohen Versieglungsgrad

  • 49.5% (Peter Todeskino, Quelle)  im Vergleich zu 35% in anderen Städten im Mittelwert.
  • Versieglung schafft vielfältige Probleme: im Sommer findet eine Erhöhung der Temperatur statt, da Versieglungsfächen typischerweise dunkel sind, zusätzlich fehlt Verdunstungskälte aufgrund des schnellen Wasserabflusses .
  • Bei den zunehmenden Starkregenereignissen ist trotz der Fördenähe mit einer Überlastung der Kanalisation (d.h. unter Wasser stehenden Kellern) zu rechnen.

Kleingartenanlagen sind wichtig für die Zukunft einer Stadt

  • Kleingärten in der Nähe heben die Wohnqualität: Soll eine weitere Zersiedlung des Umlandes verhindert werden, so müssen die Innenstädte insbesondere auch für Familien interessanter werden. Gärten in der Nähe steigern den Wohnwert. Im Bereich des Südfriedhofes ist in den letzten Jahren eine zunehmende Verelendung mit Trinkerecken und zunehmender  Verwahrlosung festzustellen. Um ein (weiteres) soziales Konfliktfeld zu verhindern, muss die Gegend attraktiv für Verdienende bleiben – Kleingärten in der Nähe sind bei der dichten Besiedlung ein wichtiges Wohnqualitätslement.
  • Der derzeitige Nichtnutzungsgrad mit angegeben 400 Parzellen im Stadtgebiet spiegelt nicht die zukünfige Bedeutung von Kleingärten in einer Stadt wider: In anderen Großstädten ist die Situation in den letzten Jahren widerläufig mit einer zunehmenden Nachfrage v.a auch junger Menschen, die vielerorts nicht mehr gedeckt werden kann.
  • Immer häufigere sind in den letzten Jahren Lebensmittelskandale bekannt geworden. Zudem wird Transportenergie (steigende Benzin- und Dieselpreise) in den kommenden Jahrzehnten erheblich teurer werden. Spanien (als Hauptlieferant für billiges Obst und Gemüse) wird aufgrund des immensen Wasserverbrauchs einer zunehmender Verwüstung anheim fallen. Dies alles wird zunehmend zu dem Wunsch nach sicherem Obst und Gemüse aus dem eigenen Anbau führen.
  • Kleingartenanlagen sind ein interkultureller und Generationen übergreifender Ort, der geprägt ist von Miteinander, Nachbarschaftshilfe und Austausch. Über Jahrzehnte gewachsene Bindungen dürfen nicht einem Investor beliebig zum Opfer fallen!
  •  Kleingärtnern ist gesundheitsfördernd durch die Bewegung an der frischen Luft, körperliche Arbeit und vitaminreiche Ernährung. Der psychologische Faktor einer sinnvollen Beschäftigung im Rentenalter oder Arbeitslosigkeit darf nicht zu gering eingeschätzt werden. Die Schließung einer Kleingartenanlage wird daher erhebliche gesundheitliche Probleme (Diabetes, Fettsucht, Depression, Alkoholsucht) mit entsprechenden Folgen nach sich ziehen!

Zusammenfassend läuft der Plan einer Ansiedlung von Möbel Kraft am Westring auf dem Gelände zweier Kleingartenvereine dem von der Ratsversammlung beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzept Kiel  (INSEKK 2010) vollkommen zuwider. Mit einem solchen Unterfangen wäre es ein Hohn Kiel weiter als Klimaschutzstadt zu bezeichnen!

Dr. George von Möbel Kraft hat im Interview mit den Lübecker Nachrichten erklärt, dass „Kiel von großer strategischer Bedeutung für das Unternehmen ist“. Von daher muss man die einseitige Festlegung auf dieses Gelände, von Dr George von Möbelkraft wörtlich als „das Filetstück“, als Bluff oder Pokerei sehen. Es liegt an der Ratsversammlung die Weichen für die Zukunft zu stellen und dem Ansinnen nach weiterer Flächenversieglung, Einschnitte in den Grüngürtel, Verschlechterung der Lebensqualität nicht nachzukommen.

Möbel Kraft wird sich auch mit einem Standort in einem bestehenden Gewerbegebiet anfreunden können, wo bestehende Parkplätze mitgenutzt werden können (z.B. Famila Wik). Es gibt keine Gründe die Ansiedlung von Skonto zu bewilligen, die Verwaltung muss nicht aus Bad Segeberg nach Kiel ziehen, so dass damit eine wesentlich kleinere Fläche zu suchen wäre.

(Es folgen jetzt  noch weiter geäußerte Gedanken, die jedoch an (1) anderer Stelle besser aufgehoben scheinen  bzw (2) zur Zeit für einen Großteil an Entscheidungsträgern nicht nachvollziehbar erscheinen werden und daher u.U. kontraproduktiv für das Anliegen sein könnten:

(1) Wir haben  erhebliche Bedenken, ob es tatsächlich zu einem erheblichen Gewinn an Arbeitsplätzen kommt, da durch die Ansiedlung bestehende Möbelgeschäfte am Exer, in Mettenhof, in Friedrichsort und Schönkirchen sowie Teppich/Gardinen/Wohntextilgeschäfte in der Innenstadt sowie Karstadt mit einer erheblichen Überschneidung im Haushaltsbereich gefährdet erscheinen. Interessanterweise stellt das Einzelhandelsgutachten ein vermindertes Angebot im Möbelbereich fest ohne explizit eine Ansiedlung eines großen Möbelhauses geschweige denn eines Discounters zu empfehlen!° Entsprechende Berechnungen zu möglichen Gewerbesteuereinnahmen, Arbeitsplatzbewegungen wollen wir jedoch Berufeneren wie Einzelhandelsverband, Interessengemeinschaften der Kaufleute, VERDI etc überlassen).

(2) Des weiteren ist die Produktion von Möbeln in China  mit weiten Transportwegen sowie der Umgang mit Möbeln in unserer Konsumgesellschaft als nicht nachhaltig zu sehen. Der Resourcenverbrauch an Energie und Rohstoffen ist erheblich; eine Möbel Kraft Ansiedlung wird sicherlich dazu führen, dass die „Stehzeit“ von Möbeln sich weiter verkürzt, da keine Reparatur sondern Neukauf vorgenommen wird und  „unmodisch“ gewordene Möbel nach wenigen Jahren beim Sperrmüll (und nur in wenigen Fällen  zur Wiederverwertung) landen. Nachhaltig ist die handwerkliche Produktion von langlebigen Möbeln, die Resourcen vor Ort sucht und Arbeitsplätze regional für Herstellung und Reparatur bietet.Stichwort „ein Bett für’s Leben!“)

Es besteht die Möglichkeit hier eine on-line Petition intiiert von Anwohnern zu unterschreiben.

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2 Antworten zu Möbel Kraft statt Kleingärten?!

  1. Uwe Steinbrecher schreibt:

    Hallo,
    ich bin auf Kiel in Wandel gestoßen, als ich auf der Apelbörse war und finde es eine gute Idee.
    Die Ansiedlung von Möbel Kraft fand ich am Anfang sehr interessant, aber im nachhinein ist meine anfängliche Begeisterung erloschen.
    Ich bin Mitglied bei den Grünen hier in Kiel und parteiintern gibt es doch viele, die gegen eine Ansiedlung sind. Nur wurden wir nicht gefragt. Selbst wir die Mitglieder sind unglücklich wie sich das alles entwickelt hat. Wir Grünen fordern mehr Bürgerbeteiligung, leben es anscheinend aber parteiintern nicht so richtig. Oben wird entschieden und Widerwort darf es nicht unbedingt geben. Es ist wohl so, daß wir Grünen keine nur Dagegenpartei sein wollen und uns auch den Gegebenheiten anschließen oder anpassen müssen. Daraus resultiert, daß die Grünen unter Umständen ihre Glaubwürdigkeit bei den anderen Parteien verlieren können und als potenzieller Koalitionspartner nicht in Frage kämen.
    Von den Kreismitgliedern (KM) wurde ein Antrag eingereicht, der auffordert, daß die KM umfassend darüber informiert und aufgeklärt wird wie es sich nun mit Möbel Kraft weiter verhält mit anschließender Abstimmung.
    Nur noch zu erwähnen ist, das unser umweltpolitische Sprecher in der Ratsfraktion zurückgetreten ist aus Protest u.a. wegen der Art und Weise, wie mit dem Thema umgegangen wurde.

  2. Enrico schreibt:

    Hallo Kieler,

    bei uns in Hamburg ist auch die Bauwut ausgebrochen. Hier fallen derzeit sehr viele Kleingärten dem Wohnungsbau zum Opfer. Ich habe dass Gefühl seitdem die SPD an der „Macht“ ist wird viel schonungsloser vorgegangen, als das noch bei Schwarz-Grün der Fall war. Mein Kleingarten steht ab 2014 einem sozialen Wohnungsbauprogramm zur disposition. Eine Transition Hamburg Aktive verliert vermutlich demnächst ihren Garten. Dort wurde sogar in einem Handstreich die Demokratie ausgehebelt.
    Ich finde, dass man diese Menschen bremsen muss. Ich selbst habe damit angefangen mein Wahlverhalten zu ändern und wähle erstmal keinen von den 5 etablierten Parteien CDU/FDP/SPD/GRÜNE/LINKE mehr.

    Bei meinem Garten wurde 1997 ganz still und heimlich von der Bezirksregierung der Flächennutzungsplan geändert. Was in diesem Land abläuft hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Vandana Shiva beschreibt es sehr gut mit folgendem Satz: „Politik für die Konzerne, durch die Konzerne und der Mensch wird zum Wegwerfartikel.“
    Leider wird in den etablierten Medien sich immer noch über den „Laubenpieper“ lustig gemacht. So passiert in der MOPO.
    Ich bleibe jedenfalls bis zum Schluss – bis die Bagger kommen. Ich möchte doch nur ein Stück Land, wo ich Nahrung anbauen und Bienen halten kann – da wo ich Mensch sein kann.

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