Der Kannwas – Was kann Regionalgeld?

Falk Münchbach vom Verein Regionalgeld S-H erläuterte uns in einer gut besuchten Veranstaltung am 24.8.10 unser bestehendes Geldwesen und die Regionalwährung für Schleswig-Holstein, den Kannwas.

Wie unser Geldwesen funktioniert ist kaum noch durchschaubar. Einen amüsanten, aber auch recht nachdenklichen ersten Einblick geben die folgenden Filme (Teil1, Teil2, Teil3, jeweils 5min), in den Aliens die Welt mit Hilfe des inzwischen bei uns etablierten Geldsystems erobern.

Das bestehende Zinssystem führt dazu, dass Gelder aufgrund des Zinsversprechens den Banken anvertraut werden, die es dann außer Landes geben wegen dort zu erwartender hoher Rendite. Konsequenz davon ist eine schlechte Verfügbarkeit vor Ort, fehlende Kreditmöglichkeiten für kleine und mittelständische Unternehmen. Zudem bedeuten Zinsen immer Gewinner und Verlierer und damit ein zunehmendes Wohlstandsgefälle innerhalb unserer Gesellschaft. Die gezeigten Verhaltensregeln des Bundesministeriums für Finanzen „Wie entkomme ich dem Hamsterrad=Schuldenfalle“ sind blanker Zynismus.

Schon während der Weltwirtschaftskrise 1932 entstanden die ersten Initiativen für Regionalgeld, die entgegen des allgemeinen Trendes für Arbeitsbeschaffung sorgten. Seit 2002 sind in Deutschland über 20 Regionalgeld-Initiativen entstanden. Dabei gibt es verschiedene Konzepte. Ein wichtiger Faktor bei den meisten ist die Umlaufsicherung, d.h. der Kannwas verliert im Laufe des Jahres 2% seines Ursprungswertes. Dadurch werden zum einen laufende Kosten wie der Druck gedeckt, zum anderen bleibt derKannwas im Umlauf: Wenn1 Euro dreimal den Besitzer gewechselt hat, so ist das im gleichen Zeitraum für den Kannwas 6-9x der Fall. Zudem bleibt das Geld in der Region, da es außerhalb Schleswig-Holsteins keinen Abnehmer findet.

Der Kannwas ist an seine Leitwährung Euro geknüpf; das dient der Werteinschätzung (1:1) und der einfachen Möglichkeit der Verrechnung mit dem Euro (d.h. ich kann z.B. halb in Kannwas, halb in Euro zahlen). Der Kannwas ist rücklagengesichert (die entsprechende Zahl Euros liegt bei einer lokalen Bank (Kritikpunkt: Die kann es außer Land schaffen), da die sonst am geeignetsten erscheinende  GLS-Bank keine regionale Filiale hat. Zur Zeit sind 18.000 Kannwas im Umlauf, von denen 1/3 am Ende des Jahres in Euro zurückgetauscht werden. Der Verein überlegt zur Zeit, gedeckelte Kredite oder Mikrokredite auszugeben. In Kiel gibt es z.B. im Umfeld der Holtenauer Straße 10-20 akzeptierende Geschäfte und Dienstleister, im ganzen Land sind es etwa 200 zur Zeit. Der Kannwas ist als Parallelwährung gedacht; es soll nicht der Euro abgeschafft werden.

In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass es extrem zeitaufwändig ist, ganze Ortsteile abzuklappern, um die Gewerbetreibenden vom Kannwas zu überzeugen. Stattdessen muss die Initiative vom Kunden, sprich uns allen ausgehen nach dem Motto: „Sie nehmen keinen Kannwas? Da muss ich doch überlegen, ob ich nicht zu xxx gehe…“

Fazit: Regionalgeld wie der Kannwas ist ein entscheidender Faktor dafür, dass Geld in der Region bleibt, dass Transportwege gespart werden, dass auch in der Wirtschaft ein Miteinander stattfindet.

Im Rahmen der geplanten Apfelbörse am 30.10. soll auf dem Asmus-Bremer-Platz ein Ausgabestand des Kannwas teilnehmen.

Weitere Information unter www.kannwas.org

Tipp von Falk: Tagung „Rekultivierung der Ökonomie“ in Neustadt-Rettin vom 24.-26 9.10. Dort soll auch das Thema Regionalgeld einer größeren Gruppe nahegebracht werden. Link

Zusammenfassung der Kleingruppen folgt. Ergänzungen als Kommetar sind ebenso herzlich willkommen wie auch weitere Buchbesprechungen.

in Neustadt-Rettin vom 24.-26 9. eine Tagung "Rekultivierung der Ökonomie", bei der Franz auch einen Vortrag hält, ebenso wie ich, Dort soll auch das Thema Regionalgeld einer größeren Gruppe nahegebracht werden.
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