Bernard A. Lietaer „Das Geld der Zukunft“ (1999)

Passend zum Thema unseres nächsten Gruppenabends am 24.8.10 hier ein neuer Literaturtipp:

Dies ist ein grundlegendes, aber trotzdem sehr lesbares Buch über die „destruktive Wirkung des existierenden Geldsystems“. Seine soziologische Auswirkung und Anfälligkeit für globale Krisen wird genau und, wie wir inzwischen wissen, wahrheitsgetreu beschrieben. Als Lösung für diese Probleme sieht der Autor die Einführung und Weiterentwicklung von  Komplementärwährungen.

Lietaer ist ein ausgewiesener Finanzfachmann, der u. a. für die belgische Zentralbank den ECU eingeführt hat und als Geschäftsführer und Währungshändler von  erfolgreichen Hedge Fonds tätig war. 1999 unterrichtete er archetypische Psychologie an der Sonoma State University und an der Universität Berkley Nachhaltiges Wirtschaften.

Dieser Hintergrund zieht sich durch das ganze Buch:

Im 1. Abschnitt gibt es einen Abriss über die Geschichte des Geldwesens von der Antike bis 1999. Interessant ist, dass das Erheben von Zinsen unter seinesgleichen in allen großen Religionen ursprünglich verboten ist.  Lietaer erklärt, wie aus 100 Millionen der Zentralbank 900 Millionen als Kreditgeld entstehen. Er beschreibt alte und neue Bankgeschäfte: Früher Verwaltung der tatsächlichen  Einlagen ihrer Kunden, 1996 zu 85% in Finanzdiestleistungen. Entscheidend sind heute die Auswirkungen der unmittelbaren Verfügbarkeit von Information durch das Internet: So hat der Devisenmarkt anders als der Börsenmarkt keine Nacht- oder Wochenendruhe. Und so entsteht die riesige Spekulationsblase, deren Platzen er sehr schlüssig voraussagen konnte. Für eine Welt mit Zinsen ist unbegrenztes Wachstum von Nöten. Zinsen führen zu einem extremen gesellschaftlichen Ungleichgewicht. Unser gegenwärtiges Geldwesen fördert Konkurrenz statt Kooperation.

Im Mittelteil werden 4 Zukunftsszenarien vorgestellt:

  1. „Das Jahrtausend der Konzerne“
  2. „Die Hölle auf Erden“
  3. „Schutzgemeinschaften“
  4. „Nachhaltiger Wohlstand“

Vorbeugende Maßnahmen verhindern bei 1. und 4. den Währungszusammenbruch, eine Veränderung des Geldparadigmas vermindert bei 3. und 4. den Egoismus des Einzelnen.

Im 3. Abschnitt des Buches zeigt Lietaer auf, dass einzig Komplementärwährungen parallel zu bestehenden Währungen zum Zukunftsszenario „Nachhaltiger Wohlstand“ führen können. Und davon gab es auch 1999 schon einige, teils staatlich finanziert, teils aus der Wirtschaft entstanden und auch auf Initiative einzelner. Sie helfen in Japan die Alterspflege zu organisieren, sind Tauschringwährungen oder in festem Verhältnis zur Landeswährung mit anzurechnen beim Besuch von Restaurants etc. Sie bezahlen sonst ehrenamtliche Arbeit in Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit. Lietaer stellt die unterschiedlichen Konzepte hinter den 1999 bestehenden Modellen vor und entwickelt daraus sein eigenes Konzept für „das Geld der Zukunft“ in einer Gesellschaft, in der Kooperation statt Konkurrenz herrscht.

Auszuleihen bei Ulrike H.

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